"Re-garder"

Installation im Rahmen der Ausstellung "Artist's Window / Space Tag – Alltag", DOCK Basel.

Space Tag - Alltag

Was wird dem öffentlichen Blick preisgegeben und was verhüllt? Die installative, aus mehreren Gardinen bestehende Arbeit "Re-garder" von Tarek Abu Hageb stellt dies zur Diskussion. Sein malerisches Spiel mit den unterschiedlichen Stoffen verweist auf die privaten Muster, welche die Häuserfassaden prägen und nimmt anderseits Bezug auf die Metapher des Bildes als Fenster.

Re-garder
An den Fassaden der Häuser entdecken wir auf Spaziergängen Vorhänge vor den Fenstern, welche unseren Blick versperren und gleichzeitig unsere Neugier wecken. Anhand ihrer Beschaffenheit und Muster imaginieren wir einen Innenraum, stellen uns die Einrichtung und ihre Bewohner vor. Die Vorhänge verhüllen etwas und sind zugleich nach Aussen gesetzte Zeichen einer bestimmten Wohn- und Lebenskultur. Sie sollen den Blick von Aussen verwehren und doch das Licht hineinlassen, das Innen verwahren und doch den Blick hinaus gewähren. Der Kunsttheoretiker Leon Battista Alberti verglich im 15. Jahrhundert die Malerei mit dem Blick aus einem geöffneten Fenster - dem "finestra aperta". Demnach eröffne das Gemälde dem Betrachter die Sicht in Räume, die sonst von seiner Erlebniswelt getrennt wären. Das Fenster wurde zu einer Metapher für das Bild und seine Funktion und eine Möglichkeit über das Kunstschaffen zu reflektieren. Explizit verwiesen Bilder in der Renaissance mit einem vorgesetzten trompe-l'oeil Vorhang auf ihre Gemachtheit und ihren Offenbarungscharakter.

Die Arbeit „re – garder“ (garder = hüten, behalten, regarder = schauen sehen) spielt mit diesen verschiedenen Bedeutungsebenen des Fensters und Vorhangs als Bild, das der Imagination Raum gibt also durchscheinend ist und gleichzeitig opak ist und zur Leinwand wird. Verschiedene Gardinen werden in mehreren Schichten so angeordnet, dass sich ihre Muster und All- Over-Strukturen in immer wieder anderen Kombinationen überlagern und deren Spiel mit Schatten und Licht verschiedene malerische Strukturen entstehen lassen und einen Tiefeneffekt erzeugen. Die Arbeit „re – garder“ kann jedoch auch als eine Reflektion meiner eigenen malerischen Arbeit gesehen werden, in der solche für Siebdrucke verwendete Gardinen und Vorhänge den Hintergrund bilden, aus dem sich meine Bildwelten entwickeln.

Eveline Schüepp, 2014